Barrierefreiheit in Luxembourg

Einfache Sprache: Zwischen Leichter Sprache und Standardsprache

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Einfache Sprache ist eine vereinfachte Variante einer Sprache: schwieriger als die Leichte Sprache, aber einfacher als die Standardsprache. Ihr Ursprung liegt in den 1950er Jahren im englischsprachigen Raum, unter dem Namen „Plain English“. In Luxemburg spielt Einfache Sprache seit dem Gesetz vom 8. März 2023 über die Barrierefreiheit von Produkten und Dienstleistungen eine zentrale Rolle. Denn Verständlichkeit ist eines der vier Prinzipien digitaler Barrierefreiheit. Deshalb müssen Informationen mindestens in Einfacher Sprache bereitgestellt werden. Dieser Artikel erklärt das Konzept, seine Zielgruppe und die wichtigsten Regeln.

Ein Recht auf verständliche Informationen

Jeder Mensch hat ein Recht auf verständliche Informationen. Sie dürfen also fordern, dass Ihnen Informationen in Einfacher oder Leichter Sprache zur Verfügung gestellt werden.

Wer nutzt Einfache Sprache?

Leichte Sprache wurde vor allem für Menschen mit Lernschwierigkeiten entwickelt und folgt sehr strengen Regeln. Einfache Sprache richtet sich dagegen an eine breitere Zielgruppe: Menschen mit geringen Sprachkenntnissen oder alle, die schwierige Texte nicht gut verstehen. Wichtig ist jedoch: Texte in Einfacher Sprache sind für Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung nicht zugänglich. Wichtige Informationen wie zu Gesundheit oder Rechten sollten daher zusätzlich in Leichter Sprache bereitgestellt werden.

Das Gesetz von 2023 verpflichtet nun auch Institutionen wie Banken und Versicherungen, ihre Informationen in Einfacher Sprache zu veröffentlichen. So können mehr Menschen die für sie wichtigen Informationen verstehen.

Drei Säulen der Regeln für Einfache Sprache

Die Empfehlungen für Einfache Sprache sind weniger streng als jene der Leichten Sprache. Trotzdem existieren sie: Die internationale Norm ISO 24495-1 definiert Grundsätze, die für alle Sprachen gelten. Für die deutsche Einfache Sprache gibt es zudem die DIN-Norm DIN 8581-1.

Layout

Den Text übersichtlich gliedern, damit sich die Leserschaft schnell orientieren und Informationen schnell finden kann.

Satzbau

  • Kurze Sätze schreiben (maximal 20 Wörter, maximal ein Komma).
  • Aktiv statt Passiv formulieren: „Beachten Sie…“ statt „Es ist zu beachten…“.
  • Sinneinheiten zusammenhalten, lange Einschübe vermeiden.

Wortschatz

  • Kurze und bekannte Begriffe verwenden; Fach- oder Fremdwörter durch einfache Begriffe ersetzen.
  • Wichtige Fachwörter erklären, im Text oder in einem Glossar.
  • Abkürzungen und Füllwörter („halt“, „irgendwie“) vermeiden.

Woher kommt Einfache Sprache?

Ursprünglich sollten Schulbuchtexte in den USA verständlicher gemacht werden. 2010 wurde dort der „Plain Writing Act“ verabschiedet. Die amerikanische Regierung beschloss damit, alle Bürgerinformationen in einfacher Sprache zu schreiben und zu veröffentlichen. Im deutschsprachigen Raum entwickelte sich die Einfache Sprache erst ab den 2000er Jahren.

Einfache Sprache in der Praxis: Erfahrungen einer Expertin

Sylvie Bonne, Expertin für Leichte und Einfache Sprache in Luxemburg, bringt den Unterschied zwischen beiden Ansätzen gut auf den Punkt. Einfache Sprache bleibt demnach nah an der Alltagssprache: Einen Begriff wie „Dokumente“ müsste sie nicht erklären, die Leichte Sprache hingegen schon. Beide Sprachformen ergänzen sich jedoch, statt sich gegenseitig auszuschließen. Manche Menschen brauchen unbedingt Leichte Sprache. Andere profitieren dagegen von zusätzlichen Formaten wie einer schriftlichen Zusammenfassung in Einfacher Sprache, einem Erklärvideo oder Kontaktadressen, die die Kommunikation zusätzlich barrierearm machen.

Texte einer Organisation zu vereinfachen ist vor allem Teamarbeit. Zuerst muss man das bestehende Team, die Zielgruppe und die Kanäle kennen, über die die Inhalte später genutzt werden. Danach werden die Struktur der Texte überarbeitet, Zwischenüberschriften ergänzt und Fachbegriffe erklärt. Gerade in sensiblen Bereichen wie dem Bankwesen oder bei juristischen Themen muss zudem jede Vereinfachung von den fachlich zuständigen Personen bestätigt werden. So bleibt der Text korrekt. Lesen Sie dazu auch den Artikel OSAPS veröffentlicht Leitfaden für klare Sprache im Finanzsektor.

Die Reaktionen von Fachleuten sind meist positiv. Allerdings fällt es schwer, diese Prinzipien selbst umzusetzen, wenn man täglich mit dem Fachjargon eines Bereichs arbeitet. Im Gegensatz zur Leichten Sprache verändert Einfache Sprache weder das Erscheinungsbild der Texte noch die Rechtschreibung. Sie kann daher eine umständliche Verwaltungssprache direkt ersetzen, statt als zusätzliches Angebot daneben zu stehen.

Für die Zukunft kann künstliche Intelligenz dabei helfen, komplexe Texte zu überarbeiten. Sie ersetzt aber keine Person, die die tatsächlichen Bedürfnisse der Nutzerinnen und Nutzer kennt. Auch digitale Alternativen wie Audioaufnahmen, Videos oder Sprachnachrichten eröffnen neue Möglichkeiten, Informationen barrierearm zugänglich zu machen, ergänzend zu geschriebenen Texten.