Barrierefreiheit in Luxembourg

Cap’FALC – Innovation aus Frankreich für Leichte Sprache

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Wenn Künstliche Intelligenz die Übersetzer unterstützt

In Frankreich ist die UNAPEI, die große nationale Vereinigung für Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung, einen besonderen Weg gegangen: Mit Cap FALC hat sie ein Werkzeug entwickelt, das nicht nur KI nutzt, sondern das sie auch gemeinsam mit Menschen mit Beeinträchtigung und Übersetzern entwickelt hat. So zeigt dieses Modell, wie Partizipation bei der Entwicklung von Technologie funktionieren kann.

Was ist Cap FALC?

Cap’FALC ist ein Online-Werkzeug, das es einfacher macht, Dokumente in FALC – die französische Leichte Sprache – zu erstellen. Das Werkzeug kombiniert verschiedene Funktionalitäten:

1. Ein Algorithmus mit Künstlicher Intelligenz Die KI schlägt einfachere Sätze vor, die den Regeln von FALC entsprechen. Allerdings entscheidet der Übersetzer, ob der Vorschlag gut ist oder noch angepasst werden muss.

2. Ein kollaboratives Wörterbuch Alle Benutzer haben Zugang zu Definitionen von Wörtern und Konzepten, die nach den Regeln von FALC geschrieben sind. Außerdem können alle Benutzer ihre eigenen Definitionen hinzufügen.

3. Eine kollaborative Bilddatenbank Um die Dokumente mit Bildern zu illustrieren, gibt es eine Sammlung von geteilten Bildern. Ebenso kann jeder Benutzer – genau wie beim Wörterbuch – seine eigenen Bilder hinzufügen.

Wie ist Cap’FALC entstanden?

Die Geschichte von Cap’FALC hat einen besonderen Weg.

Der Kontext: FALC in Frankreich Vor ungefähr 15 Jahren hat die UNAPEI begonnen, die Gesellschaft darauf aufmerksam zu machen, dass Information für Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung zugänglich sein muss. Sie hat die Methode FALC (Facile à Lire et à Comprendre – Leicht zu Lesen und zu Verstehen) gefördert.

Nach ein paar Jahren wurde die Nachfrage immer größer. Denn viele Organisationen, Unternehmen und Institutionen wollten ihre Texte in FALC schreiben oder übersetzen. Deshalb war klar: Für eine echte Barrierefreiheit müssten noch viel mehr Texte übersetzt werden. Ein kolossales Projekt!

Der Start des Projekts 2018 hat die UNAPEI beschlossen zu handeln. Sie hat ein Forschungsprojekt gemeinsam mit renommierten Partnern aus der Künstlichen Intelligenz gestartet:

  • Meta AI (das Forschungslabor von Facebook/Meta)
  • INRIA (Institut National de Recherche en Informatique et Automatique)

Außerdem stellte das französische Sekretariat für Menschen mit Behinderung das Projekt unter seine Hohe Schirmherrschaft.

Der Forscher mit FALC-Erfahrung

Die UNAPEI hat das Projekt einem jungen Wissenschaftler anvertraut: Louis Martin, Doktorand und Forscher für Sprachverarbeitung und Textvereinfachung.

Seine Herangehensweise war innovativ:

  1. Ausbildung in FALC: Louis Martin hat sich selbst am ESAT de la Roseraie in FALC ausbilden lassen.
  2. Immersion in einer Werkstatt: Er hat einige Zeit in einer FALC-Werkstatt verbracht – bei den Papillons Blancs de Dunkerque –, um zu verstehen, wie die Übersetzung funktioniert.
  3. Sammlung von Daten: Er hat in Übersetzungswerkstätten Texte gesammelt, die bereits in FALC übersetzt waren.
  4. Algorithmus-Entwicklung: Mit diesen Beispielen hat er einen Algorithmus mit Künstlicher Intelligenz entwickelt, der automatisch vereinfachte Texte generiert.

Co-Entwicklung mit den Benutzern

Aber Cap’FALC ist mehr als nur ein KI-Algorithmus. Die Menschen, die das Werkzeug später nutzen, haben es von Anfang an mitentwickelt.

2020: Die Basis-Entwicklung Mitglieder von Übersetzungswerkstätten aus dem UNAPEI-Netzwerk, die Vereinigung „Nous Aussi“ (Selbstvertreter) und die CNSA haben zusammen die Basis von Cap’FALC entwickelt.

2022: Test-Phase Übersetzer aus ESAT des UNAPEI-Netzwerks haben das Werkzeug getestet und ihr Feedback gegeben.

Das Resultat: Ein Werkzeug, das auf vielen Ebenen innovativ ist und gleichzeitig die Erfahrung der Benutzer integriert.

Warum ist diese Herangehensweise so besonders?

Partizipation als Prinzip Cap FALC folgt der goldenen Regel von FALC: der Einbeziehung von Menschen mit Beeinträchtigung. Sie sind nicht nur „Zielgruppe“, sondern sie wirken aktiv an der Entwicklung mit.

Künstliche Intelligenz als Hilfswerkzeug Die KI schlägt Vereinfachungen vor, doch die Menschen mit Beeinträchtigung entscheiden. Das ist der Schlüssel: Die Technologie unterstützt, ersetzt die Menschen jedoch nicht.

Kollaboration statt Isolation Mit dem Wörterbuch und der Bilddatenbank arbeiten alle Benutzer zusammen. Dadurch hilft jede Definition und jedes Bild auch anderen.

Veröffentlichung

Der Rollout hat 2024 begonnen Anfang 2024 hat Cap’FALC begonnen, sich im UNAPEI-Netzwerk zu verbreiten. Werkstatt für Werkstatt führt das Netzwerk das Werkzeug ein.

Das Ziel

Die UNAPEI will, dass Information für jeden zugänglich wird. So soll Cap FALC die FALC-Produktion „demokratisieren“ – also mehr Menschen ermöglichen, mehr Texte in FALC zu produzieren.