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title: "Der gesetzliche Rahmen der Barrierefreiheit in Luxemburg"
description: "Die drei luxemburgischen Gesetze zur Barrierefreiheit: Infrastruktur, öffentliches Digitales und Produkte/Dienstleistungen. OSAPS, RAWeb, RAAM, RAPDF erklärt."
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date: "2026-01-14T06:57:00Z"
modified: "2026-09-02T08:00:36Z"
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In Luxemburg regeln drei wichtige Gesetze die Barrierefreiheit. Sie betreffen dabei alle Bereiche des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens: Infrastrukturen, öffentliche digitale Dienste und seit 2025 auch Produkte und Dienstleistungen des privaten Sektors. Zusammen zeigen diese Regelungen das Engagement des Landes für die Inklusion aller Bürgerinnen und Bürger, insbesondere von Menschen mit Behinderungen. Darüber hinaus schaffen sie einen rechtlichen Rahmen, der schrittweise mehr Teilhabe und Selbstständigkeit ermöglicht. Dieser Artikel stellt die überwachenden Stellen, die verfügbaren praktischen Hilfsmittel sowie die drei Gesetze im Detail vor.

## Eine von der Zivilgesellschaft getragene Dynamik

Diese Gesetze ermöglichen einen ganzheitlichen Ansatz: Barrierefreiheit wird dadurch schrittweise zum Standard in allen Lebensbereichen. Gleichzeitig wird dieser Prozess von verschiedenen Organisationen unterstützt, die gemeinsam die nationale Expertise darstellen. Dazu gehört beispielsweise **Info-Handicap**, das nationale Informations- und Begegnungszentrum für Menschen mit Behinderungen, das seit 1993 mehr als 60 Vereine bündelt und unter anderem das Konzept „Design for All“ fördert.

Darüber hinaus setzen sich zahlreiche Akteure dafür ein, dass Barrierefreiheit nicht nur gesetzlich vorgeschrieben ist, sondern auch im Alltag umgesetzt wird. Ziel ist es daher, dass alle Menschen in Luxemburg selbstständig und gleichberechtigt am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können – unabhängig von ihrer persönlichen Situation.

## Drei Gesetze, ein gemeinsames Ziel: Inklusion

### Barrierefreiheit von Produkten und Dienstleistungen: Gesetz vom 8. März 2023

Dieses Gesetz setzt die europäische Richtlinie 2019/882 (European Accessibility Act) um und erweitert dadurch die Verpflichtungen auf den privaten Sektor. Es ist am 28. Juni 2025 in Kraft getreten. Betroffen sind unter anderem elektronische Kommunikationsdienste, audiovisuelle Plattformen, Bankdienstleistungen, der elektronische Handel, der Personenverkehr sowie digitale Bücher.

Zudem gelten für bestimmte Unternehmen besondere Regelungen: Kleinstunternehmen mit weniger als 10 Beschäftigten und einem Jahresumsatz unter 2 Millionen Euro sind von bestimmten Pflichten ausgenommen.

Das **Office de la surveillance de l’accessibilité des produits et services** (OSAPS) überwacht die Umsetzung dieses Gesetzes. Bei Verstößen können verwaltungsrechtliche und strafrechtliche Sanktionen von bis zu 500.000 Euro verhängt werden. Im Wiederholungsfall kann diese Summe sogar bis zu 1 Million Euro betragen. Die genaue Höhe der Strafe richtet sich dabei nach dem Umfang und der Schwere des Verstoßes.

### Barrierefreiheit von Infrastrukturen: Gesetz vom 7. Januar 2022

Dieses Gesetz regelt die Barrierefreiheit von öffentlich zugänglichen Orten, öffentlichen Wegen und gemeinschaftlichen Wohngebäuden. Dazu zählen beispielsweise Geschäfte, Restaurants, Verwaltungen, freie Berufe und Beherbergungsbetriebe.

Dabei stehen verschiedene Anforderungen im Mittelpunkt, wie barrierefreie Eingänge, zugängliche Empfangsbereiche, geeignete Verkehrswege, Sanitäranlagen und eine verständliche Beschilderung. Bestehende öffentlich zugängliche Orte [müssen bis zum 1. Januar 2032 barrierefrei sein](https://www.accessible.lu/de/barrierefreie-infrastruktur-2032-so-starten-sie-die-umsetzung/).

Somit bildet dieses Gesetz einen weiteren wichtigen Schritt, um die physische Zugänglichkeit in Luxemburg langfristig zu verbessern und die gleichberechtigte Teilnahme aller Menschen am öffentlichen Leben zu fördern.

### Digitale Barrierefreiheit im öffentlichen Bereich: Gesetz vom 28. Mai 2019

Dieses Gesetz setzt die europäische Richtlinie 2016/2102 um. Es betrifft die Barrierefreiheit von Websites und mobilen Apps öffentlicher Einrichtungen: der Staat, die Gemeinden sowie manche Organisationen, die im öffentlichen Interesse arbeiten und öffentlich finanziert werden. Websites müssen seit September 2020 barrierefrei sein, mobile Apps seit Juni 2021. Der Service Information et Presse (SIP, Staatsministerium) überwacht die Umsetzung und bearbeitet Beschwerden.

## RAWeb, RAAM, RAPDF: Referenzrahmen für die Praxis

Das Gesetz zur digitalen Barrierefreiheit sowie das Gesetz zur Barrierefreiheit von Produkten und Dienstleistungen basieren auf der europäischen Norm EN 301 549. Luxemburg hat Referenzrahmen entwickelt, um die Umsetzung zu erleichtern:

- Der **RAPDF** gilt für PDF-Dokumente mit 46 Prüfkriterien;
- Der **RAAM** gilt für mobile Anwendungen mit 107 Prüfkriterien;
- Der **RAWeb** gilt für Websites und enthält 136 Prüfkriterien.

Diese Referenzrahmen helfen Organisationen, die europäische Norm einfacher umzusetzen. Sie ersparen die direkte Arbeit mit komplexen Gesetzestexten und enthalten genaue Tests, klare Methoden und konkrete Techniken (HTML, CSS, JavaScript). Der vollständige Text der europäischen Richtlinie 2016/2102, die die Pflicht zur digitalen Barrierefreiheit des öffentlichen Sektors in der gesamten Europäischen Union begründet, ist auf dem EUR-Lex-Portal einsehbar.

## Quellen

- [S’exprimer sans discriminer, guide pratique pour un langage inclusif](https://cet.lu/inclusif/), CET, CID Fraen an Gender und CNFL
- [Richtlinie (EU) 2016/2102 über den barrierefreien Zugang zu Websites und mobilen Anwendungen öffentlicher Stellen](https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX:32016L2102), EUR-Lex
- [OSAPS](https://accessibilite-produits-services.public.lu/fr/osaps.html)

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