Die Brailleschrift ist eine Tastschrift, die blinden und stark sehbeeinträchtigten Menschen das Lesen mit den Fingern ermöglicht. Sie wurde 1825 von Louis Braille entwickelt, der selbst blind war. Das Schriftsystem beruht auf Kombinationen erhabener Punkte, die in kleinen Rastern mit sechs Punkten angeordnet sind. Bis heute ist Braille deshalb ein zentraler Schlüssel zu Selbstständigkeit und Teilhabe am sozialen, beruflichen und kulturellen Leben. Zum Beispiel findet man sie auf Medikamentenverpackungen, in Aufzügen, auf angepassten Tastaturen oder auf Braillezeilen. Diese Braillezeilen lassen sich zudem mit einem Computer, Tablet oder Smartphone verbinden. In Luxemburg wird außerdem eine europaweit standardisierte Variante genutzt, mit der sich die drei Landessprachen darstellen lassen. In diesem Artikel erklären wir, wie diese Schrift funktioniert und welche Computer-Varianten es gibt. Außerdem zeigen wir, wie sie im Alltag konkret genutzt wird.
Braille ist vor allem ein Werkzeug der Teilhabe
Dank Braille können blinde und stark sehbeeinträchtigte Menschen am Computer arbeiten sowie Bücher und Zeitschriften lesen. Außerdem können sie Schilder verstehen oder Fahrpläne lesen. So findet sich Braille auf Medikamentenverpackungen, in Aufzügen, auf Handläufen oder Türschildern. Es gibt Tastaturen, Lineale, Taschenrechner, Kalender und Landkarten in Braille – und noch viele weitere angepasste Gegenstände.
Allerdings sollten Informationen in Braille im öffentlichen und beruflichen Raum noch selbstverständlicher werden. Denn für blinde und sehbeeinträchtigte Menschen bleibt Braille ein Schlüssel zu gleichberechtigter Teilhabe. Wer diese Teilhabe fördern möchte, sollte Braille von Anfang an in künftige Beschilderungs- oder Dokumentationsprojekte einplanen.
Seit 2019 begeht die Organisation der Vereinten Nationen jedes Jahr am 4. Januar den Welt-Braille-Tag. Dieser Gedenktag erinnert an den Geburtstag von Louis Braille, der am 4. Januar 1809 zur Welt kam. Er zeigt außerdem, dass die Brailleschrift auch zwei Jahrhunderte nach ihrer Erfindung ein unverzichtbares Mittel für Information und Bildung bleibt.
Von einem blinden Jugendlichen erfunden: die Brailleschrift von 1825
Die Braille-Schrift, auch Blindenschrift oder Punktschrift genannt, hat ihren Namen von ihrem Erfinder Louis Braille. Er erblindete als Kind durch einen Unfall. Als Schüler am Institut royal des jeunes aveugles in Paris entwickelte er daraufhin das Schriftsystem im Jahr 1825. Es handelt sich um eine Schrift, die blinden und stark sehbeeinträchtigten Menschen das Lesen anhand des Tastsinns ermöglicht. So sind sie beim Lesen nicht auf eine visuelle Vorlage oder eine dritte Person angewiesen.
Das Sechs-Punkte-Raster als Basis der Schrift
Die Schriftzeichen bestehen aus kleinen Punkten, die als Erhebungen aus glattem Papier herausragen und von der Rückseite eingeprägt werden. Auf der Vorderseite lassen sie sich mit den Fingerspitzen ertasten. Ein Schriftzeichen besteht aus einem Raster mit sechs Punkten, angeordnet in zwei Spalten und drei Reihen. Je nach Kombination der Punkte ergeben sich verschiedene Buchstaben, Umlaute und Satzzeichen.
Ein Raster mit sechs Punkten bietet 64 mögliche Kombinationen (63 Zeichen oder Symbole und eine leere Kombination). Das reicht nicht aus, um alle Buchstaben, Umlaute, Großbuchstaben und Satzzeichen abzubilden – deshalb kennt die Basisschrift nur Kleinbuchstaben. Ein Sonderzeichen vor einem Buchstaben zeigt an, dass er als Großbuchstabe zu lesen ist. Ebenso weist ein entsprechendes Zeichen vor einer Zahl darauf hin, dass es sich um eine Ziffer handelt.
Darüber hinaus kann Braille für alle Sprachen mit Schriftzeichen genutzt werden, aber auch für spezielle Notationen. Zum Beispiel gibt es eigene Braille-Systeme für Mathematik, Chemie und Musik. Daneben existieren Kurzschrift- und Stenografie-Varianten, die schneller zu schreiben und zu lesen sind als die Basisschrift. Ein Text in Braille benötigt etwa dreimal so viel Platz wie derselbe Text in Schwarzschrift. Deshalb sind Braille-Bücher meist deutlich größer und dicker. Genaue Vorgaben zu Größe, Höhe und Abstand der Punkte sorgen dafür, dass sie zuverlässig ertastet werden können.
Vom Papier zum Computer: Computerbraille und Eurobraille
Neben dem klassischen 6-Punkte-System gibt es das Computerbraille: ein allgemeiner Begriff für Braille-Schriften mit acht Punkten. Diese Erweiterung ermöglicht insgesamt 255 Kombinationen (plus eine leere Zelle). Das genügt, um alle Buchstaben, Ziffern und Sonderzeichen darzustellen, die für die Arbeit am Computer notwendig sind.
Eurobraille ist eine 8-Punkt-Computerbraille-Variante, die zur Vereinheitlichung der westeuropäischen Braille-Schriften entwickelt wurde. Dank der vielfältigen Kombinationsmöglichkeiten werden Buchstaben mit Umlauten oder Akzentzeichen einheitlich codiert. So sehen dieselben Zeichen in allen betroffenen europäischen Sprachen gleich aus. Hersteller wie das französische Unternehmen Eurobraille bieten heute Geräte an, die Notizgerät, Braille-Computer und Braillezeile in einem kompakten Gerät vereinen.
Eurobraille, der Standard in Luxemburg
In Luxemburg ist Eurobraille die offizielle Braille-Schrift. Mit ihr lassen sich die drei Landessprachen darstellen – sowohl für gedruckte Texte als auch für digitale Medien. Je nach Situation kommen zudem sprachspezifische 6-Punkt-Systeme zum Einsatz. Außerdem nutzen viele Menschen im Alltag die Kurzschrift ihrer Sprache, auch wenn diese nicht für offizielle Mitteilungen verwendet wird.
Die Fondation Lëtzebuerger Blannevereenegung (FLB) ist die zentrale Organisation in Luxemburg für die Begleitung blinder und sehbeeinträchtigter Menschen. Sie bietet unter anderem Orientierungs- und Mobilitätskurse sowie eine Hörbücherei an. Ergänzend dazu stellt sie Braille-Materialien bereit, die in Schule und Alltag genutzt werden.
Lesen und Schreiben mit Computer, Tablet oder Smartphone
Für die Arbeit am Computer sind eine Screenreader-Software und eine Braillezeile hilfreich:
- Eine Screenreader-Software liest den Text auf dem Bildschirm vor.
- Die Braillezeile (auch Braille-Display genannt) besteht aus kleinen Stiften, die sich mechanisch heben und senken, um Zeichen zu bilden. Die Informationen vom Bildschirm werden ihr durch die Screenreader-Software übermittelt. Sie kann nicht nur mit einem Computer, sondern auch mit einem Tablet oder Smartphone genutzt werden, häufig über eine Bluetooth-Verbindung.
Zum Schreiben am Computer nutzen blinde Menschen die Standard-Tastatur oder eine Braille-Tastatur.
Gut zu wissen
Übrigens gibt es kostengünstige, tragbare Prägegeräte, mit denen sich Braille-Zeichen auf selbstklebende Bänder und Etiketten prägen lassen. So lässt sich einfach jeder Alltagsgegenstand barrierefrei machen.
Quellen
- Fondation Lëtzebuerger Blannevereenegung (FLB), zentrale Organisation für blinde und sehbeeinträchtigte Menschen in Luxemburg
- Die Braille-Schrift, Akzent.lu
- Eurobraille, Hersteller von Computerbraille-Geräten
- Welt-Braille-Tag, Vereinte Nationen (UN)

Kommentar verfassen